TCM-Behandlung begleitend zur IVF erhöht die Wahrscheinlichkeit von Lebendgeburten

Die Geburtenraten von Patientinnen eines privaten IVF-Zentrums in den USA wurden bezüglich folgender Kriterien ausgewertet: alle Patientinnen, die sich einer IVF-/ICSI-Behandlung unterzogen, erhielten entweder keine weitere Therapie, Akupunktur nur am Transfertag oder zusätzlich TCM. Die Gruppe der Frauen, die mit TCM-Therapie behandelt wurde, hatte die größten Chancen auf eine Lebendgeburt im Vergleich zu den Frauen ohne zusätzliche Therapie oder Akupunktur nur beim Embryo-Transfer.

Studiendesign

Alle Patientinnen, die von August 2005 bis Dezember 2010 im North West Center for Reproductive Sciences (NCRS) in Kirkland, Washington State, eine IVF- bzw. ICSI-Behandlung durchführen ließen, wurden in die Studie aufgenommen. Von den 1069 Frauen erhielten 580 keine ergänzende Therapie, 370 wurden am Transfertag akupunktiert und 119 bekamen eine TCM-Therapie. Für die IVF-Behandlung erhielten die Patientinnen je nach medizinischer Diagnose eine entsprechende medikamentöse Behandlung zur hormonellen Stimulation. Blastozysten-Kultur und Transfer wurde – falls möglich – immer angestrebt.

Akupunktur-Gruppe

370 Frauen erhielten zwei standardisierte – nach einem vorgegebenem Punkten-Schema festgelegte – Akupunkturbehandlungen am Embryo-Transfertag: ca. eine Stunde vor der Übertragung der Embryonen und spätestens 30 Minuten danach. Staatlich anerkannte Akupunkteure führten diese im IVF-Zentrum durch.

TCM-Gruppe

Zusätzlich zur Akupunktur am Transfertag bekamen 119 Patientinnen eine TCM-Behandlung außerhalb des IVF-Zentrums. Staatlich anerkannte Akupunkteure mit mindestens 3-4 Jahren Ausbildung in fortgeschrittener Akupunktur und Chinesischer Arzneitherapie führten sie durch. Beim Erstkontakt wurde in einem Anamnesegespräch die Diagnose der Chinesischen Medizin gestellt und darauf aufbauend der Therapieplan festgelegt. TCM ist in dieser Studie eine komplexe Intervention, die (Elektro-) Akupunktur, Chinesische Arzneistofftherapie und Ernährungsempfehlungen, Lebensstiländerungen und Nahrungsergänzungsmittel beinhalten kann. Durchschnittlich wurden zwölf Behandlungen durch geführt.

Ergebnis

Die Lebendgeburtenrate in der TCM-Gruppe war mit 61,3% signifikant höher als in der Gruppe mit Akupunktur nur am Embryotransfertag (50,8%) bzw. ohne zusätzliche Behandlung (48,2%). Auch kamen weniger Fehlgeburten in der TCM-Gruppe (5,8%) im Vergleich zu den anderen (Akupunktur-Gruppe 10,7% – keine weitere Therapie 7,3%) vor.

Fazit

Diese Studienergebnisse legen nahe, dass eine IVF-Behandlung mit ergänzender TCM-Therapie eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit für eine Lebendgeburt verheißt.

Meine Einschätzung

Seit vielen Jahren zeigt meine praktische Erfahrung in der begleitenden IVF-Behandlung, dass eine längerfristige Therapie mit Akupunktur und Chinesischen Arzneistoffrezepturen im Vergleich zur alleinigen Akupunktur am Transfertag die eindeutig erfolgversprechendere Behandlungsmethode ist.
Allerdings unterscheidet diese Studie nicht genau genug, welche TCM-Therapien im Einzelnen angewandt wurden.

Quelle: Hullender Rubin L.E., Impact of wholes systems traditional Chinese medicine on in-vitro fertilization outcomes, Reproductive BioMedicine (21015) 30, 602-612